Zahlreiche Expert*innen trafen sich diese Woche an der Vogelinsel und diskutierten Lösungsansätze
Wie kann man die Blaualgen am Altmühlsee eindämmen? Welche Maßnahmen braucht es und welche werden bereits angegangen? Zu diesen Fragen luden die beiden Landtagsabgeordneten Patrick Friedl, Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung und Martin Stümpfig, Sprecher für Energie und Klimaschutz (beide BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) am vergangenen Dienstag, 29. Juli, neben Landrat Manuel Westphal zahlreiche Vertreter*innen aus der Wirtschaft, dem Wasserwirtschaftsamt, Naturschutzverbänden, dem Bauernverband, Tourismusverbänden und angrenzenden Gemeinden nach Muhr am See ein. Ziel des Treffens war es, sich zum einen über die aktuellen wasserwirtschaftlichen Planungen zu informieren und zum anderen mit den verschiedensten Akteuren nach Lösungsansätzen zu suchen.
„Durch die massive Erwärmung des Altmühlsees um 4 Grad in den letzten 40 Jahren haben sich die vorhandenen Probleme potenziert. Damit das Badeverbot aufgrund der Massenvermehrung der Blaualgen nicht zur Regel wird, muss die Überdüngung des Sees stark reduziert werden“, so Patrick Friedl.
“Leider wurden bisher vom Landtag nur Gelder für Maßnahmen im See zur Verfügung gestellt. Aber langfristige Maßnahmen, die im großen Einzugsgebiet des Sees eine Reduzierung der Sedimente aus der Landwirtschaft sicherstellen, sind bisher Fehlanzeige. Eine Steigerung der Vertragsnaturschutz-Maßnahmen und Unterstützungen bei Agroforstwirtschaft sind notwendig. Ackerbau muss im erosionsgefährdeten Bereich Wiesen weichen, damit auch bei den zunehmenden Starkregen der Sediment- und somit Nährstoffeintrag reduziert wird“, so Stümpfig.
Landrat Manuel Westphal verwies in seinen Ausführungen auf das Landkreis-Projekt „Klima Resilienz in Altmühlfranken“ mit dem das Ziel “integriertes Wassermanagementkonzept” erreicht werden soll. Kern des Projektes sind fünf Säulen, mit denen der Landschaftswasserhaushalt verbessert werden soll. Ein Beispiel: Wasser soll für lange Trockenphasen gespeichert oder ein langsamer Abfluss ermöglicht werden, mit dem Ziel der verbesserten Grundwasserneubildung.
Dr. Nobert Schäffer, Vorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz, stellte die grundsätzliche Offenheit des LBV beim Thema Gänsemanagement dar. Sie könne allerdings nicht die einzige Maßnahme zur Ursachenbekämpfung sein, umso mehr, da der Nährstoffeintrag im Altmühlsee maximal zu etwa 10 Prozent auf die Gänse und deren Hinterlassenschaften zurückgehe. Wie hoch der landwirtschaftliche Anteil an den 11,6 Tonnen jährlichen Phosphoreintrags im See ist, darüber war man sich in der Runde uneinig.
Helga Pfitzinger-Schiele, stellvertretende Behördenleiterin des Wasserwirtschaftsamts Ansbach und zuständig für die Überleitung Donau-Main, stellte die zahlreichen, verschiedensten Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität vor, mit dem Ziel touristische Bedürfnisse zu berücksichtigen. Sie verwies auf die beiden Fachtagungen zur Entwicklung der Altmühlseeregion am 17. Januar und 18. Juli dieses Jahres.
Die Auswirkungen des Klimawandels mit längeren und wärmeren Trockenphasen führen zu Veränderungen des Wasserhaushalts. Dies betrifft die Seen, aber auch die Fließgewässer. Blaualgen (Cyanobakterien) profitieren von der Klimaüberhitzung und haben bessere Wachstumsbedingungen. Die neue Situation erfordert neue Lösungsansätze. Daran arbeitet das Wasserwirtschaftsamt im Rahmen verschiedener Projekte – von Sedimentabsaugungen bis zu Teichrosenbepflanzungen.
Die Vertreter*innen der IHK und des Zweckverbands Altmühlsee bekräftigten die substanzielle Bedeutung der Seen für die gesamte Region. Viele Familien lebten vom Tourismus, aber je mehr schlechte Nachrichten über die Wasserqualität im Umlauf seien, desto mehr brächen die Gästezahlen ein. Der Zweckverband beteiligt sich deshalb mit einer großen Summe am Projekt Tauchwand des Wasserwirtschaftsamts, betonte aber auch, dass Ursachenbekämpfung zwingend notwendig sei, um die Region weiterhin attraktiv zu halten – für Einheimische und Gäste gleichermaßen.
Foto: Oliver Rühl, Büro Martin Stümpfig
Für Rückfragen steht mein Büro gerne zur Verfügung, unter kontakt@martin-stuempfig.de